Etwa 1,8 Milliarden Menschen bekennen sich
zum Christentum, der am weitesten verbreiteten Weltreligion. Neben der
römisch-katholischen Kirche und den nicht an Rom gebundenen katholischen Kirchen gibt es
die Gruppe der reformatorischen (protestantischen/evangelischen) Kirchen sowie die auf
protestantischem Boden entstandenen christlichen Glaubensgemeinschaften. Zu den von Rom unabhängigen
katholischen Kirchen zählen die orthodoxen Kirchen, die orientalischen Kirchen sowie die
altkatholische Kirche. Die beiden Erstgenannten besitzen seit 1990 ein übereinstimmendes
Bekenntnis und eine gemeinsame Christologie. Die orthodoxen Kirchen gingen aus der großen
Kirchenspaltung von 1054 hervor. Seitdem sind die (lateinische) Westkirche und die
(griechische) Ostkirche offiziell voneinander getrennt. Zu den altorientalischen Kirchen
zählen folgende: koptische orthodoxe Kirche; syrisch-orthodoxe Kirche; armenische
apostolische Kirche; orthodoxe Kirche von Indien; äthiopische orthodoxe Kirche. Die
altorientalischen Kirchen weigerten sich auf mehreren Konzilen der Alten Kirche, die
allgemein verbindliche Theologie vom Gott-Menschen Jesus Christus zu
akzeptieren. So kam es zu einem Bruch mit der Reichskirche und zu Verfolgungen von Seiten
des byzantinischen Staates. Einige Kirchen sind inzwischen wieder mit Rom uniert. Die altkatholische Kirche ist eine katholische Reformkirche
mit altkirchlicher und ökumenischer Ausrichtung. Sie ging aus der Opposition gegen die
Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit durch das 1. Vatikanische Konzil 1870 hervor. |
| Über 300 Mitgliedskirchen aus etwa 100 Ländern haben sich im Ökumenischen Rat der Kirchen (auch Weltkirchenrat genannt) mit Sitz in Genf zusammengeschlossen. Sie repräsentieren rund 400 Millionen Gläubige. Hinzu kommen 29 angeschlossene Kirchen. Jede Mitgliedskirche muss mindestens 25 000 Mitglieder haben. Die römisch-katholische Kirche ist kein Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen, besitzt jedoch Beobachterstatus. |
Die reformatorischen Kirchen setzen
sich aus 14 Konfessionsfamilien
zusammen: Lutheraner; Reformierte, Evangelisch-Unierte, Anglikaner, Mennoniten, Baptisten, Quäker, Herrnhuter Brudergemeine; Methodisten, Disciples of Christ (Jünger
Christi), Freie Evangelische Gemeinden; Heilsarmee, Pfingstbewegung, Christliche Unitarier. Die
Wurzeln dieser Kirchen liegen in der Reformation des 16. Jahrhunderts, deren
Hauptvertreter Martin Luther (1483-1546), Johannes Calvin (1509-1564) und Ulrich Zwingli
(1484-1531) waren. Die anglikanische Kirche, eine Verbindung von Katholizismus und
Protestantismus, nahm eine andere Entwicklung. |